Frauen in Vorständen machen Unternehmen erfolgreicher!

Paula am 29. January 2008

Gerade fand ich den Artikel “Eine Sache des Wollens” auf Spiegel Online. Er berichtet über Microsoft Deutschland, in dessen 13-köpfigen Leitungsgremium fünf Frauen sitzen - eine absolute Ausnahme hierzulande! In den Vorständen der DAX-Unternehmen ist momentan nur eine Frau zu finden. Auch wenn Microsoft aus vielen Gründen zu kritisieren ist, so ist das nun wirklich mal ein Lob wert. Zudem haben alle fünf Frauen Kinder und zeigen damit deutlich, dass Karriere und Kinder wunderbar zu vereinbaren sind, sofern die Rahmenbedingungen stimmen.

Doch viel interessanter ist etwas anderes in dem Artikel. Laut Studien der US-Frauenorganisation Catalyst und der Unternehmensberatung McKinsey sind gemischte Führungsgremien nicht nur ökonomischer sondern auch von der Unternehmenskultur signifikant erfolgreicher.

Die Firmen mit den meisten Frauen im Vorstand erzielten im Vergleich zu solchen ohne Frauen eine bis zu 53 Prozent höhere Eigenkapitalrendite.

Doch es müssen mindestens drei Frauen sein, damit sie die dominierende Kultur einer Gruppe beeinflussen können. Eine Einzelkämpferin muss sich entweder dem männlichen Verhaltenskodex anpassen oder ist zum Scheitern verurteilt. Die McKinsey-Studie “Women matter” betont aber auch, dass die Firmenleitung die Frauenförderung aktiv unterstützen und aggressiv einfordern muss - sonst passiert nichts.

Solange die Kriterien für Beförderungen nicht geändert werden, wird sich nur Unwesentliches an der Situation von Frauen in Führungspositionen ändern.

Doch wenn Frauen ein Unternehmen sogar ökonomisch attraktiver machen, sollte dem ja eigentlich nichts mehr im Weg stehen. Also, wir brauchen mehr Frauen in Führungsgremien!

Abgelegt unter Feminismus | 6 Kommentare

6 Kommentare zu “Frauen in Vorständen machen Unternehmen erfolgreicher!”

  1. Maxam 29. January 2008 um 16:15

    Inwieweit kann die Politik eigentlich Frauenquoten für die Wirtschaft bestimmen? Gibt es da rechtliche Möglichkeiten?

  2. Paulaam 29. January 2008 um 16:23

    In Norwegen gibt es eine feste Quote von 40% für Aufsichtsräte - sonst droht seit 2007 die Zwangsauflösung. Etwas ähnliches könnten man in Deutschland auch einführen. Vor sechs/sieben Jahren wurde im Bundestag aber statt eines Gleichstellungsgesetzes für die Privatwirtschaft eine freiwillige Vereinbarung beschlossen, die - wen wundert´s - nichts verändert hat.

  3. erlehmannam 29. January 2008 um 19:41

    Ich habe das mit der Quote immer noch nicht verstanden, leigt vllt. an meiner Erziehung (von wegen alle Menschen haben gleiche Rechte usw.): Wie kommt eine derartige offensichtlich sexistische Regelung ins Programm von Leuten, die sonst absolut gegen Diskriminierung sind ?

    Ist das ein Relikt des frühen Feminismus ? Oder ist die Nachricht tatsächlich “Frauen sind besser als Männer” ?

  4. juliaam 31. January 2008 um 17:54

    ich finde das mit den quoten im prinzip richtig, meine aber, dass der focus in der frauenpolitik eher auf den problemen der mehrheit der frauen liegen sollte:

    altersarmut auf grund flächendeckend schlechterer integration auf dem arbeitsmarkt (splitting, gesellschaftliches klima des “frauen bleiben zu hause beim kind”, zu wenige rentenbeiträge)

    das mit den aufsichtsräten ist zwar auch richtig, aber doch eher ein luxusproblem. wir grüne sollten da mehr zu bieten haben.

  5. Paulaam 4. February 2008 um 16:54

    Zu den Quoten: Natürlich haben alle Menschen die gleichen Rechte. In Deutschland steht die GleichBERECHTIGUNG sogar im Grundgesetz, leider heißt das aber nicht automatisch, dass Frauen und Männer auch gleichGESTELLT sind. Warum gekommen Frauen denn weniger Lohn als Männer? Warum ist es für sie so schwer Karriere zu machen? Das liegt zum großen Teil daran, dass wir in einer Gesellschaft leben, die seit Jahrhunderten von patriachalen Strukturen durchwoben ist. Um das zu durchbrechen, sind in bestimmten Bereichen Quoten unumgänglich, da freiwillige Verpflichtungen leider nicht weiterhelfen.

    Und zu Julia: Natürlich gibt es in der Frauenpolitik viele Bereiche, die wichtiger sind als Frauen in die Aufsichtsräte zu holen. Aber das Phänomen, dass Frauen Unternehmen erfolgreichen machen, gilt ja nicht für DAX-Unternehmen, sondern auch für den Handwerksbetrieb. Es zeigt doch gerade, dass es total bescheuert ist ein gesellschaftliches Klima des “Frauen bleiben zu Hause” weiter zu betreiben!

  6. erlehmannam 5. February 2008 um 21:57

    Das Problem, das ich damit habe ist folgendes: Mit Bevorzugung nach Geschlecht wird latenter Sexismus (Bevorzugung von Männern) mit institutionalisiertem Sexismus (Bevorzugung von Frauen) bekämpft - ja Gesetzesform soll er bekommen.

    Das hat mit individueller Gleichberechtigung a la “gleicher Lohn für gleicher Arbeit” reichlich wenig zu tun, einfach aus dem Grund, dass tatsächlich geschlechtsspezifisch gehandelt wird.

    Und nehmen wir mal den hypothetischen Fall, dass sich ein Mann auf eine Stelle bewerbe und eine ähnlich qualifizierte Frau aufgrund einer ominösen Quote bevorzugt eingestellt würde. Dann ist das ganz klar geschlechtsspezifische Diskriminierung, die ich als aufgeklärter Mensch nicht gutheißen kann, egal was für Ziele dahinter stehen.

    Gleichberechtigung bedeutet nun einmal die Entscheidungsfindung ohne Ansehen von ohne eigenes Verschulden erworbenen Merkmalen wie Geschlecht, Hautfarbe etc. Und zumindest ich konnte mir mein Geschlecht nicht aussuchen.

    P.S.: Bitte erkläre, wann/ob derartige Quoten deiner Vorstellung nach abgeschafft würden, ob du Quoten für Männer ebenfalls für sinnvoll hälst (a la 50 / 50) und wie das mit den Relikten des frühen Feminismus ist.

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