Machsom Watch - eine Tour durch die Westbank

Paula am 29. October 2009

Letzten Sonntag begleitete ich zwei Frauen von Machsom Watch auf ihrer Tour zu unterschiedlichen Checkpoints in der Westbank. Im folgenden Text versuche ich meine Erlebnisse ohne eine politische Bewertung zu beschreiben. Ich freue mich auf Fragen und Kommentare.

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Foto: Paula Riester

English report

Machsom Watch wurde 2001 von Israelischen Friedensaktivistinnen gegründet (Machsom bedeutet Checkpoint). Die reine Frauengruppe setzt sich für ein Ende der israelischen Besetzung in den palästinensischen Gebieten zu Gunsten einer Zwei-Staaten-Regelung entlang der Grünen Linie von 1967 ein. Machsom Watch ist eine aktionsorientierte Gruppe. Mehrmals die Woche fahren Frauen in die Westbank zu verschiedenen Checkpoints und beobachten die Lage. Sie machen Fotos und Notizen, sprechen mit den Soldaten und veröffentlichen im Anschluss Berichte, Fotos und Videos auf ihrer Homepage. Durch ihre Anwesenheit versuchen sie Einfluss auf das Verhalten der Soldaten zu nehmen, was oftmals auch gelingt. Werden PalästinenserInnen etwa trotz aller erforderlichen Papiere nicht durch Checkpoints gelassen, sprechen sie mit den Soldaten und rufen teilweise sogar Vorgesetzte an. Dies dauert zwar seine Zeit, hat aber ab und zu Erfolg.

Am Sonntag fuhren wir zu einigen Checkpoints nord-östlich von Tel Aviv in der Nähe von Qalqiliya. Zunächst besichtigten wir das Gate 1392 Habla/Ras Atiya. Der Sicherheitszaun befindet sich zu großen Teilen nicht auf der Grünen Linie, sondern versucht teilweise jüdische Siedlungen von palästinensischen Dörfern und Städten zu trennen. Dies hat allerdings zur Folge, dass der Zaun PalästinenserInnen innerhalb der Westbank von einander und von ihren Feldern trennt. So auch in diesem Fall. Auf der einen Seite des Zaunes befindet sich ein palästinensisches Dorf - deren Felder liegen jedoch auf der anderen Seite. Folglich müssen sie täglich einen Checkpoint passieren. Dieser ist allerdings nicht durchgehend geöffnet sondern nur dreimal täglich: von 6:30 bis 8:00, von 11:00 bis 12:15 und von 16:45 bis 18:00. Wir waren während der Mittagsöffnungszeit da und konnten LKWs, Eselkarren und FußgängerInnen beim Passieren beobachten. Ausweise, die Ladung und weitere Papiere wurden kontrolliert. Die sechs Soldaten waren recht freundlich und sprachen sogar kurz mit uns. Anscheinend waren sie ziemlich gelangweilt und wollten lieber nach Hause, um zu schlafen.

Unser nächster Stop war ein Checkpoint auf der Straße nach Qalqiliya. Hierbei handelt es sich nicht um eine Kontrolle, um von der einen auf die andere Seite des Zaunes zu gelangen sondern um eine Kontrolle in mitten der Westbank. Dieser Checkpoint wurde in den letzten Monaten geräumt, nun jedoch wieder aufgebaut. Hier wurden Taxen, Busse, Privatautos und LKWs teilweise nach ihren Insassen und ihrem Transportgut untersucht - andere wurden einfach durchgewunken. Die Soldaten ignorierten uns. Selbst als wir sie ansprachen, starrten sie weiter auf den Boden und liefen an uns vorbei.

Als nächstes fuhren wir an der Stadt Azzun vorbei. Dieser Ort wurde mit riesigen Betonklötzen und Stacheldraht von der Zufahrt zur Landstraße abgeschnitten. Einige Tage zuvor wurden diese allerdings entfernt, so dass nur noch Berge von Stacheldraht und Betonreste am Straßenrand daran erinnern. Wir waren erstaunt und freuten uns.

Nach einem Kaffeestop in einem palästinensischen Dorf fuhren wir auf dem Rückweg am Checkpoint Irtah/Shaar Efraim vorbei. An diesem FußgängerInnenübergang gibt es einen großen Terminal, der von einer privaten Sicherheitsfirma betrieben wird. PalästinenserInnen, die eine Arbeitserlaubnis für Israel haben, können hier die “Grenze” passieren. Die Wartezeiten früh am Morgen und abends können durchaus drei Stunden betragen. Am frühen Nachmittag war es jedoch noch ruhig.

Der Tag war sehr interessant. Ich kann jedem, der/die in Israel ist, nur empfehlen Machsom Watch einen Tag zu begleiten. Mehr Infos dazu gibt es hier.

Abgelegt unter Unterwegs, Israel | 5 Kommentare

5 Kommentare zu “Machsom Watch - eine Tour durch die Westbank”

  1. Niska Kinder Spieleam 5. November 2009 um 15:24

    Danke für deinen Bericht. Ich freue mich, dass mutige israelische Friedensaktivistinnen Machsom Watch gegründet haben. Das ist ein kleiner Schritt eines langen Weges…

  2. Das RechnungsWESENam 10. November 2009 um 13:51

    Interessanter Bericht. Wie fühlt man sich denn, wenn man in Isreal unterwegs ist? Ist man da nicht permanent angespannt? Stell mir die Atmosphäre ziemlich bedrückend vor.

  3. dudeam 11. November 2009 um 21:33

    auch wir haben vergangene woche matchsomwatch besucht, jedoch auf eine andere art und weise. wir haben im rahmen einer hochschulexkursion eine mitarbeiterin von matchsomwatch besuchen dürfen. was sie erzählt hat, hat uns schwer getroffen. hier noch ein weiterer tipp für diejenigen, die sich diesem thema annehmen wollen: www.alternative-tours.ps mit politischen führungen durch ostjerusalem und die westbank. für kritische Hintergrundsinformationen über den Konflikt in israel sehr zu empfehlen!!!

  4. volker dreieram 20. November 2009 um 18:31

    hallo paula,
    ich bin mal wieder “very impressed”
    über das was du machst!

    es ist spannend, diese berichte zu lesen.

    beste grüße von einem interessierten
    verwandten aus welver…
    volker

  5. Paulaam 25. November 2009 um 11:03

    Ja, wie fühlt man sich, wenn man in Israel unterwegs ist…die meiste Zeit fühle ich mich ganz normal. Natürlich begegnet einem der Konflikt in vielen Facetten an vielen Stellen und ich denke viel nach, aber man lernt damit umzugehen. Das hat natürlich auch seine negativen Seiten, weil es zu einer Normalität wird, aber anders kann man hier zumindest auf Dauer wohl nicht wohnen. Dazu kommt, dass Tel Aviv eine Seifenblase ist, wo junge Leute wohnen, die das Leben wie überall auf der Welt lieben und sich nicht ständig mit Politik beschäftigen wollen. Das führt auch zu einer Entpolitisierung, mit der insbesondere die Linke zu kämpfen hat…

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