Sind Männer schuld am Klimawandel?
Paula am 24. November 2007
Während der Klima- und Umweltdebatte auf der Grünen Bundesdelegiertenkonferenz habe ich gestern eine Rede für die GRÜNE JUGEND gehalten. Wenn ihr wissen wollt, ob wirklich die Männer am Klimawandel schuld sind, oder was dahinter steckt, lest weiter.

Foto: Sebi
“Männer sind schuld am Klimawandel! So lautete der Titel eines Spiegelonlineartikels vom letzten Wochenende. Wie stark abgesichert diese These ist, sei dahin gestellt. Weder Frauen noch Männer sind per se die besseren oder schlechteren Menschen. Doch eines zeigt diese Aussage: Es gibt eine Geschlechterperspektive in der Klimapolitik. Und die dürfen wir als Grüne nicht wegdiskutieren!
Insbesondere in Entwicklungsländern sind Frauen diejenigen, die am meisten unter den Folgen des Klimawandels leiden und leiden werden.
Sie sind meist diejenigen, die sich um die Ernährung der Familie kümmern.
Sie müssen unter immer schlechteren Bedingungen Nahrung anbauen und sich bei einer klimabedingten Zunahme von Krankheiten wie Malaria um die Kranken kümmern.
In Umweltkatastrophen sterben überdurchschnittlich viele Frauen und Kinder – das war beim Hurrican Katrina und auch in der Hitzewelle im Sommer 2003 in Europa so.
Doch was für Gründe stecken dahinter?
Eine Studie der Londoner School of Economics hat 2006 herausgefunden, dass zwischen den ökonomischen und sozialen Rechten von Frauen und den geschlechterbedingten Unterschieden in der Todesanzahl ein Zusammenhang herrscht.
In Gesellschaften, wo Frauen und Männer die gleichen Rechte genießen, sind sie auch gleichermaßen Opfer von Naturkatastrophen. Bei einer niedrigeren Stellung in der Gesellschaft müssen jedoch Frauen stärkere Kürzungen von Nahrungsmitteln und anderen Ressourcen hinnehmen. Dadurch leiden sie stärker an den Folgen des Klimawandels.
Und deshalb ist eine Geschlechterperspektive in der Klimapolitik so wichtig!
Die stärkere Einbeziehung von Frauen in Klimaschutzprojekte hat positive Effekte für ganze Gesellschaften. Wir müssen die Rolle von Frauen in ihren Kommunen noch viel stärker nutzen und insbesondere sie in Projekte einbeziehen.
Denn hier komme ich zu einem weiterem wichtigen Punkt. Bündnis 90/Die Grünen müssen zur Partei der Klimagerechtigkeit werden.
Der Klimawandel trifft nicht nur überdurchschnittlich oft Frauen – er trifft zum größten Teil die Ärmsten unserer Welt.
Er trifft zum größten Teil diejenigen, die am wenigsten dazu beigetragen haben.
Und das ist eine bodenlose Ungerechtigkeit, die wir uns nicht gefallen lassen dürfen!
Doch was können wir dagegen tun? Zunächst müssen wir als grüne und linke Partei die Debatte wieder an uns reißen. Momentan wird die Diskussion in der Klimapolitik auf einem sehr technischen Level geführt. Natürlich können wir mit technischen Lösungen viel erreichen, aber Klimapolitik ist eben nicht nur eine Technikfrage.
Der Aspekt von globalen sozialen Rechten – von Gerechtigkeit – spielt in der Debatte eine große Rolle. Doch diese Fragen kann eben nur eine Partei beantworten, die sich kritisch mit der aktuellen Globalisierung auseinandersetzt, die glaubwürdig in der Entwicklungspolitik arbeitet und die für eine faire Weltordnung steht.
Das sind für mich Bündnis 90/Die Grünen und daher müssen wir die Klimapolitik ganz stark mit dem Thema Gerechtigkeit verbinden.
In konkreten Punkten heißt das, dass die Industrieländer sich ihrer Schuld und Verantwortung bekennen müssen.
Wir haben zu einem Großteil die klimaschädigenden Gase in die Luft gestoßen, wir haben in einer Raffgier die Ressourcen der Welt ausgebeutet, also müssen auch wir am meisten zum Klimaschutz beitragen!
Viel mehr Mittel der Entwicklungszusammenarbeit müssen in Anpassungs- und Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern gesteckt werden. Ganz wichtig ist in diesem Punkt die Frage des geistigen Eigentums. Das Know-How zum Bau klimaschützender Technologien muss zumindest für Entwicklungsländer frei zugänglich sein.
Damit das Ganze zu einem gerechten Ausgleich wird, dürfen wir uns durch solche Projekte nicht „freikaufen“ dürfen. Momentan ist es nach dem Kyotoprotokoll möglich sich Emissionseinsparungen durch Projekte in einem Entwicklungsland auf die Emissionsreduktion im eigenen Land anzurechnen.
Doch das führt dazu, dass wir hier weiter munter unser CO2 in die Luft pusten und stattdessen Solarprojekte in der Sahara finanzieren.
Das kann es nicht sein!
Die Reduzierung von 80 Prozent der Emissionen bis 2050 muss hier bei uns stattfinden.
Projektunterstützungen in anderen Ländern müssen darüber hinaus aufgrund unserer „Klimaschuld“ verpflichtend werden!
Damit wir diese 80 Prozent Reduktion erreichen, müssen wir alle eine Menge tun. Da müssen auch wir Grüne manchmal noch radikaler werden und uns z.B. fragen, ob eine durchschnittliche Obergrenze des CO2-Ausstoßes für Autos reicht.
Brauchen wir nicht viel eher eine Regelung, die strikte Obergrenzen für alle Autos festschreibt?
Und liegt die alleinige Lösung wirklich in der Technik? Brauchen wir nicht doch viel stärker Veränderungen unserer Gewohnheiten?
Ich glaube nicht daran, dass wir allein durch technische Lösungen den Klimawandel stoppen können. Mit dazu gehören Veränderungen unseres täglichen Lebens – das betrifft den Fleischkonsum, das Fliegen und Autofahren und viele andere Gewohnheiten. Diese Dinge sind jedoch schwierig zu vermitteln, aber gerade deswegen dürfen wir sie nicht totschweigen, sondern müssen sie immer wieder unter dem Tisch hervorholen!
Doch wir befinden uns in der Opposition und Gesetzesvorschläge für ein Tempolimit, für einen Baustopp von neuen Kohlekraftwerken und andere Projekte landen schneller im Papierkorb als sie geschrieben wurden.
Wir können weiterhin Reden schwingen, auf der Koalition rumkloppen und sagen, dass wir alles besser wissen. Das sollten wir auch weiterhin tun, aber ich glaube das reicht nicht.
Gute parlamentarische Arbeit muss immer durch eine starke Bewegung von unten begleitet werden.
Gerade in der Klimafrage dürfen wir Grüne uns nicht nur auf die Aktionsformen von Reden und Anträgen beschränken.
Wir brauchen wieder mehr Aktionismus bei den Grünen! Dafür habe ich schon auf der BDK vor einem Jahr im Vorfeld der G8-Proteste geworben und das hat auch ganz gut geklappt.
Aber wir brauchen noch mehr davon! Warum also nicht mal die Baustelle eines Kohlekraftwerkes besetzen, sich mit Fahrrädern die Straße zurückerobern, oder vor Vattenfall gegen Atomkraft und das Stromoligopol demonstrieren?
Wir müssen wieder kreativer werden und mit unseren Aktionen zeigen, dass es ums Ganze geht! Also beteiligt euch alle am 8. Dezember am weltweiten Klimaaktionstag und zeigt der Großen Koalition, wie echter Klimaschutz aussieht!
Danke!”
Abgelegt unter Grüns, Feminismus, Klimapolitik | 2 Kommentare
[…] Die Umweltdebatte habe ich nur dahingehend verfolgt, dass mir Paulas Rede besonders auffiel - sie thematisierte noch einmal “Klima und Geschlecht”, was insbesondere bei der LDK in NRW für Aufregung gesorgt hatte, denn mein alter Kumpel Martin aus dem KV Rhein-Sieg hatte damals gegen einen Antrag der LAG Frauen, der “Klima und Geschlecht” diskutierte, eine sehr polemische Gegenrede gehalten. Das ist aber inzwischen abgehakt, und wie gesagt, auch die Umwelt-Debatte auf der BDK war - wie leider häufig - nicht sehr umkämpft. […]
Manueller Trackback auf einen thematisch verwandten Artikel:
Klimawandel: Think global, but act against local warming!
Besten Dank.