So wars beim Castor
Paula am 16. November 2008
Auch wenn die Proteste gegen den Castortransport ins Zwischenlager in Gorleben schon eine Woche her sind, möchte auch ich noch kurz darüber berichten:

Foto: Hauke Diederich
Riesendemo
Als Castoraktivistin der letzten Jahre kenne ich die Auftaktdemos zu den Protesten meist als relativ kleine Runde. AktivistInnen und die lokale Bevölkerung treffen sich, um die fünfte Jahreszeit im Wendland einzuläuten. Etwa 5000 Menschen tun ihren Unmut farbenfroh und laut kund. Doch 2008 soll alles anders sein! Atomkraft ist wieder in den Medien - die Skandale um die leckende Asse und der Wille der CDU vom Atomausstieg abzurücken mobilisieren viele Leute. 16.000 Menschen demonstrieren an diesem Samstag in Gorleben und laufen mit Transparenten, mit Atomfässern und atomfeindlichen Parolen zum Zwischenlager. Mit dabei sind viele viele Grüne, die aus dem ganzen Land mit Bussen ins Wendland gekommen sind.
2 Tage vor dem Zwischenlager
Und weil die Demo so ein Erfolg war, wollten wir vom Zwischenlager gar nicht mehr weg und blieben da. Unter dem Motto “Wir sind gekommen, um zu bleiben” startete X-1000-mal-quer mit hunderten AktivistInnen von der Bund Jugend, Robin Wood, der GRÜNEN JUGEND und vielen anderen aus der Region und von außerhalb eine Sitzblockade. Am Samstag Nachmittag dachten wir nicht, dass wir dort 48 Stunden ausharren würden. Doch etliche Blockaden auf der Schienenstrecke - vor allem die stundenlange Ankettaktion an der deutsch-französischen Grenze - verzögerten die Ankunft des Castors. Nach einer feuchtkalten Nacht errichteten wir am Sonntag Zelte aus Planen und Holz auf der Straße, um uns vor dem Regen zu schützen. Mit der Zeit entstand ein richtiges Hüttendorf mit Strohbetten, Planenhäusern und sogar einem Waffelbäcker. Zwei Nächte schlief ich mit vielen anderen Leuten auf der Straße und jede Stunde wurden wir mehr. Überwältigend war die Beteiligung von so vielen jungen Menschen, von denen viele zum ersten Mal dabei waren. Die Anti-Atom-Bewegung ist wieder da und sie besteht nicht nur aus denen, die schon vor 30 Jahren in Brokdorf waren, sondern ist ein generationenübergreifender Mix!
Räumung
Doch unser Dorf sollte leider nicht von Dauer sein. Am Montag Nachmittag begann die Räumung. Mehr als 1000 Menschen saßen mittlerweile auf der Straße. Und so sollte die Räumung auch etwas dauern. Immer wieder mussten sich die PolizistInnen anstellen, um jede und jeden einzeln wegzutragen. Im Großen und Ganzen verlief es recht friedlich. Natürlich waren einzelne PolizistInnen dabei, die Demonstrierenden grundlos ins Gesicht langten, oder die Hände umdrehten - doch wirkten die meisten eher etwas überfordert. Teilweise wurde sogar auf die Einsatzleitung geschimpft, weil alles so chaotisch war. Über die Polizeistrategie wird bei jedem Castortransport philosophiert. Doch in diesem Jahr waren wir teilweise echt erstaunt, wie viele Aktionen über einen so langen Zeitraum erfolgreich waren. Bei der Masse an Polizei, die im Wendland durch die Wälder streift, ist es immer wieder erfreulich, dass Leute es auf die Schiene und Straße schaffen und ziviler Ungehorsam und Protest möglich sind.
Auf zum Widerstand, es gibt kein ruhiges Hinterland!
Abgelegt unter Grüns, Anti-Atom, Demos, Protest, Bewegung | 3 Kommentare
Mach sie kalt, Paula. Sagt NEIN zu Atomkraft!
Ich hab aber jetzt mal eine Frage: Wieso transportieren die Leute den Atommüll nicht einfach unauffällig (also an einem anderen Termin)?
Einen anderen Termin fände ich auch besser, zB im Juni.
Aber auch dann würde sich ein Castor-Transport nur schwer vor den Aktivist/innen geheimhalten lassen. Wäre es nicht so gefährlich, könnte man die Castoren natürlich fliegen. Dann würde man sie nicht auf den Schienen sehen.
Fazit: Ich meine, dass die sich den November-Termin schon bewusst ausgesucht haben.
Respekt, ich dachte nicht, dass dort für 48 Stunden wirklich ein kleines “Zeltdorf” aufgebaut wird. Gut, dass es auch viele Demonstranten aus der Umgebung gibt, die schnell Planen, Stroh, etc. organisieren können. Oder rechnet man schon zu Anfang mit einer längeren Aktion und bringt die wichtigsten Dinge mit?